Datenschutz-Alarm: 95% der Versicherungs-Websites mit DSGVO-Verstößen

Datenschutz-Alarm: 95% der Versicherungs-Websites mit DSGVO-Verstößen
Eine aktuelle Studie der Compliance-Analyseplattform decareto zeigt ein alarmierendes Bild: Die meisten großen deutschen Versicherungsunternehmen halten sich nicht an die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) und das Telekommunikation-Digitale-Dienste-Datenschutz-Gesetz (TDDDG). Die Analyse von 38 Versicherungen offenbart massive Compliance-Lücken.
Die wichtigsten Erkenntnisse
95 % der Consent-Banner funktionieren nicht richtig: Bei 36 von 38 untersuchten Websites wurden zustimmungspflichtige Dienste bereits beim ersten Seitenaufruf aktiviert – bevor Besucher ihre Einwilligung gegeben hatten. Das macht das Cookie-Banner wirkungslos.
71 % setzen Cookies ohne Erlaubnis: 27 der 38 Websites speichern Cookies, die nicht für die grundlegende Funktionalität nötig sind, ohne vorherige Zustimmung. Das verstößt gegen EU-Urteile und deutsche Gerichtsentscheide.
95 % laden externe Dienste unerlaubt: Fast alle untersuchten Versicherungen binden Tracking-, Marketing- und Analyse-Tools von Drittanbietern ein – bevor Nutzer zustimmen. Google-Tools dominieren dabei massiv (76 % der Websites nutzen Google-Dienste ohne Zustimmung).
74 % verbergen externe Dienste: Die Datenschutzerklärungen waren oft unvollständig. Viele externe Dienste wurden gar nicht oder unklar erwähnt – das verstößt gegen die DSGVO-Transparenzpflicht.
Welche Versicherungen betroffen sind
Die Studie untersuchte die größten Versicherungen in Deutschland, darunter Allianz, ERGO, AXA, Zurich, Generali, Debeka, ARAG und viele weitere. Nur 2 von 38 erhielten die Bestnote A. Die meisten bekamen C, D oder E.
Was bedeutet das für Verbraucher?
Wenn Ihre Versicherungs-Website Datenschutz nicht ernst nimmt, können Ihre persönlichen Daten leicht an Dritte weitergeleitet werden – ohne dass Sie das wissen. Das ist nicht nur ein Datenschutz-Problem, es ist auch ein Haftungs- und Bußgeldrisiko für die Versicherungen selbst.
Was sollten Sie tun?
✅ Cookie-Banner skeptisch prüfen: Viele funktionieren nicht wie versprochen. Klicken Sie auf "Alle ablehnen" und prüfen Sie, ob wirklich nichts mehr geladen wird.
✅ Datenschutzerklärungen lesen: Welche Dienste werden eingebunden? Welche Daten gehen wohin?
✅ Kritische Websites melden: Sie können Verstöße der Datenschutzbehörde melden – diese können Bußgelder bis zu 20 Millionen Euro verhängen.
✅ Versicherer wechseln: Wenn Sie ein datenschutz-bewusstes Unternehmen bevorzugen, schauen Sie nach den wenigen mit Top-Ratings oder kleineren, lokal ansässigen Versicherern.
Fazit
Die Studie zeigt ein systematisches Problem in der Versicherungsbranche. Trotz hoher Compliance-Anforderungen verstoßen viele etablierte Versicherungen gegen grundlegende Datenschutz-Regeln – oft unbewusst durch schlechte technische Umsetzung. Die Behörden müssen handeln, und Verbraucher sollten das Problem ernst nehmen.
