Betriebsunterbrechung – Existenzsicherung

Schutz vor Gewinnausfall und fortlaufenden Kosten bei Betriebsstillstand durch Schäden

Was ist die Betriebsunterbrechungsversicherung?

Die Betriebsunterbrechungsversicherung (BU) sichert Ihr Unternehmen gegen die finanziellen Folgen eines Betriebsausfalls ab. Während Sachversicherungen nur materielle Schäden (Gebäude, Maschinen) ersetzen, deckt die BU den entgangenen Gewinn und die fortlaufenden Kosten während der Stillstandszeit.

Warum so wichtig? Ein schwerer Schaden (Feuer, Hochwasser, Maschinenausfall) kann Ihren Betrieb wochenlang lahmlegen. Selbst wenn die Sachschäden versichert sind: Miete, Gehälter, Kredite und Leasing laufen weiter – aber es gibt keine Einnahmen! Die Betriebsunterbrechungsversicherung ist oft die wichtigste Versicherung für Unternehmen, da sie die Existenz sichert.

⚠️ Häufigste Ursache für Firmenpleiten nach Schäden ist NICHT der Sachschaden selbst, sondern der fehlende Schutz gegen Betriebsunterbrechung!

Welche Risiken sind versichert?

Die BU deckt Betriebsausfälle durch folgende Ursachen (abhängig von der gewählten Deckung):

Feuer & Explosion

Produktionsausfall durch Brand, Rauch, Explosion

Beispiel: Brand in Lagerhalle → Produktion steht 6 Monate still → Gewinnausfall 500.000 €

Leitungswasser

Betriebsunterbrechung durch Wasserschäden (Rohrbruch, Löschwasser)

Beispiel: Rohrbruch flutet IT-Serverraum → 4 Wochen Betriebsausfall

Sturm & Hagel

Schäden durch Unwetter führen zu Produktionsstillstand

Beispiel: Sturm beschädigt Dach → Produktionshalle unbenutzbar für 8 Wochen

Einbruch & Vandalismus

Betriebsausfall durch Einbruchsfolgen oder mutwillige Zerstörung

Beispiel: Einbrecher zerstören Steuerungstechnik → 3 Wochen Stillstand

Elementarschäden (optional)

Hochwasser, Überschwemmung, Erdbeben, Lawinen (Zusatzbaustein)

Beispiel: Hochwasser überflutet Betrieb → 12 Wochen Produktionsausfall

Maschinen-BU (optional)

Ausfall durch Maschinenschäden (separate Maschinenversicherung nötig)

Beispiel: Hauptmaschine defekt → 8 Wochen Ausfall bis Ersatzteil geliefert

Was wird ersetzt?

Fortlaufende Kosten

Miete, Gehälter, Zinsen, Versicherungsbeiträge, Leasing – auch wenn kein Umsatz erwirtschaftet wird

Entgangener Betriebsgewinn

Der Gewinn, den Sie ohne den Schaden erzielt hätten

Mehrkosten zur Schadensminderung

Überstunden, Fremdvergabe, Ausweichproduktion, Mietkosten für Ersatzräume

Wiederanlaufkosten

Marketing, Werbung zur Kundenrückgewinnung nach Wiedereröffnung

Mietausfallschaden (Vermieter)

Mietausfall bei unbewohnbaren/nicht nutzbaren Gewerberäumen

Wichtig: Die BU ersetzt den Bruttogewinn (= Umsatz minus variable Kosten) während der Stillstandszeit, nicht den reinen Nettogewinn!

Deckungsvarianten

Feuer-Betriebsunterbrechung

Klassischer Schutz bei Feuer, Blitzschlag, Explosion

Für: Pflicht für jeden Betrieb mit Sachversicherung

Erweiterte BU-Versicherung

Zusätzlich: Leitungswasser, Sturm/Hagel, Einbruch

Für: Empfohlen für die meisten Betriebe

Elementar-BU

Schutz bei Hochwasser, Überschwemmung, Erdbeben

Für: Wichtig in Risikogebieten (Flüsse, Küsten)

Maschinen-BU

Absicherung bei Maschinenausfällen und -schäden

Für: Unverzichtbar für Produktionsbetriebe

Lieferanten-/Abnehmer-Ausfall

Absicherung, wenn Zulieferer oder Hauptkunde ausfällt

Für: Betriebe mit starker Abhängigkeit von wenigen Partnern

Versicherungssumme richtig berechnen

Die Versicherungssumme sollte den jährlichen Bruttogewinn widerspiegeln, multipliziert mit der gewählten Haftzeit.

Bruttogewinn-Methode

Umsatz minus variable Kosten = versicherbarer Bruttogewinn

Beispiel: 1 Mio. € Umsatz – 400.000 € variable Kosten = 600.000 € Bruttogewinn p.a. → Bei 12 Monaten Haftzeit Versicherungssumme: 600.000 €

Deckungsbeitrag-Methode

Deckungsbeitrag = Umsatz minus direkt zurechenbare Kosten

Beispiel: Für Dienstleister: Erlöse minus direkte Personalkosten für Projekte

Mietausfall (Vermieter)

Jahresmiete x Haftzeit = Versicherungssumme

Beispiel: Jahresmiete 60.000 € → Bei 12 Monaten Haftzeit: 60.000 €

Achtung Unterversicherung! Ist die Versicherungssumme zu niedrig, zahlt der Versicherer nur anteilig. Beispiel: Bruttogewinn 500.000 €, versichert für 300.000 € → Bei 100.000 € Ausfall zahlt Versicherer nur 60.000 €!

Haftzeit: Wie lange zahlt die Versicherung?

Die Haftzeit ist die maximale Dauer, für die die Versicherung Betriebsausfälle erstattet. Sie sollte ausreichend lang sein, um Wiederherstellung UND Kundenrückgewinnung abzudecken.

12 Monate

Kleine Betriebe, einfache Wiederherstellung

18 Monate

Mittelständische Betriebe, mittlere Komplexität

24 Monate

Große Betriebe, komplexe Produktionsanlagen, lange Wiederaufbauzeit

36 Monate

Hochkomplexe Betriebe (z.B. Chemie, Pharma, Halbleiter)

Empfehlung: Wählen Sie die Haftzeit so, dass nicht nur die Wiederherstellung, sondern auch die Anlaufphase zur Kundenrückgewinnung abgedeckt ist. Bei komplexen Betrieben: Mindestens 18-24 Monate!

Karenzzeit (Selbstbehalt in Tagen)

Die Karenzzeit ist der Zeitraum am Anfang des Schadens, den Sie selbst tragen. Erst nach Ablauf dieser Zeit zahlt die Versicherung.

Keine Karenzzeit (0 Tage)

Versicherung zahlt ab Tag 1 → Teurer, aber sinnvoll für kleinere Betriebe mit geringen Reserven

3-7 Tage

Standard für viele Betriebe → Moderater Prämienvorteil

14-30 Tage

Deutlich günstigere Prämie → Nur für finanzstarke Betriebe mit hohen Reserven

Tipp: Eine Karenzzeit von 3-7 Tagen ist für die meisten Betriebe ein guter Kompromiss zwischen Prämieneinsparung und Risiko.

Wer braucht eine Betriebsunterbrechungsversicherung?

JEDES Unternehmen mit hohen Fixkosten! Besonders wichtig für:

Produzierende Betriebe

Hohe Fixkosten (Miete, Gehälter, Leasing), bei Produktionsstopp läuft alles weiter ohne Einnahmen

Handel & Einzelhandel

Ladenschließung = kein Umsatz, aber Miete und Personalkosten laufen weiter

Gastronomie & Hotellerie

Ausfall bedeutet Totalstillstand, keine Einnahmen, aber Fixkosten bleiben

Dienstleister

Bei Büroausfall können Aufträge nicht erfüllt werden → Gewinnausfall

Handwerksbetriebe

Werkstattausfall = kein Umsatz, Aufträge gehen verloren

Vermieter von Gewerbeimmobilien

Bei Unbewohnbarkeit nach Schaden entfallen Mieteinnahmen

Was kostet die Betriebsunterbrechungsversicherung?

Die Prämie hängt von mehreren Faktoren ab:

Versicherungssumme (Bruttogewinn)

Je höher der Bruttogewinn, desto höher die Prämie

Haftzeit

Längere Haftzeit = höhere Prämie (z.B. 24 Monate teurer als 12 Monate)

Karenzzeit

Längere Karenzzeit senkt Prämie um 10-30%

Branche & Risiko

Hochrisiko-Branchen (Chemie, Gastro) zahlen mehr als Bürobetriebe

Standort & Gebäudeart

Moderne Gebäude mit Sprinkleranlagen günstiger als Altbauten

Richtwerte (Prämie in % der Versicherungssumme p.a.):

  • • Bürobetriebe: 0,1-0,3% (z.B. 100.000 € Bruttogewinn → 100-300 € Prämie)
  • • Handel: 0,2-0,5%
  • • Produktion (gering): 0,3-0,8%
  • • Produktion (hoch): 0,5-1,5%
  • • Gastronomie: 0,5-1,2%
  • • Chemie, Pharma: 1,0-2,5%

Beispielrechnung: Produktionsbetrieb mit 500.000 € Bruttogewinn p.a., 18 Monate Haftzeit, 7 Tage Karenzzeit → Prämie ca. 2.500-5.000 € p.a.

Wichtige Hinweise

Sofortmeldung: Schäden unverzüglich melden, auch bei Verdacht auf Betriebsunterbrechung!

Schadensminderungspflicht: Versuchen Sie, den Ausfall zu minimieren (z.B. Ausweichproduktion, Notbetrieb). Mehrkosten werden erstattet!

Dokumentation: Führen Sie während der Stillstandszeit genaue Aufzeichnungen über Ausfälle und Mehrkosten.

Kombination mit Sachversicherung: BU wird meist nur zusammen mit einer Sachversicherung (Feuer, Gebäude, Maschinen) angeboten.

Lieferanten-/Abnehmer-Ausfall: Denken Sie an diese Zusatzbausteine, wenn Sie von wenigen Partnern abhängig sind!

Regelmäßige Anpassung: Aktualisieren Sie die Versicherungssumme jährlich, wenn sich Ihr Bruttogewinn ändert!

Sichern Sie Ihre Existenz gegen Betriebsausfall ab

Wir berechnen Ihren individuellen Bedarf und finden die optimale Betriebsunterbrechungsversicherung.

Wir respektieren deine Privatsphäre

Wir verwenden Cookies und ähnliche Technologien, um unsere Website zu betreiben sowie zur anonymen Statistik und für Marketing. Du kannst selbst entscheiden, wofür wir Daten verwenden dürfen.

Mehr Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.