Jeder zweite Haushalt im Todesfall unversichert: GDV-Studie zeigt dramatische Versorgungslücke

Jeder zweite Haushalt im Todesfall unversichert: GDV-Studie zeigt dramatische Versorgungslücke
Jedes Jahr verlieren in Deutschland mehr als 100.000 Menschen — darunter rund 50.000 Kinder — einen Elternteil oder Partner, von dessen Einkommen sie finanziell abhängig waren. Für viele Familien stellt sich damit von einem Tag auf den anderen die Existenzfrage.
Dennoch verfügt nur rund jeder zweite Haushalt mit Absicherungsbedarf über eine Risikolebensversicherung. Das zeigt eine aktuelle Studie des Gesamtverbands der Deutschen Versicherer (GDV) vom Juli 2026.
Die Zahlen sprechen Bände
„In mehr als 20 Millionen Haushalten fehlt der finanzielle Schutz, wenn ein Partner oder Elternteil stirbt. Für die Hinterbliebenen kann das sehr schnell zur finanziellen Zerreißprobe werden."
So beschreibt Moritz Schumann, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des GDV, die Situation. Die Studie wertete Daten des Statistischen Bundesamtes und der Versicherungswirtschaft aus.
Eine vierköpfige Familie gibt im Durchschnitt 4.599 Euro pro Monat aus, davon rund 3.473 Euro für grundlegende Bedarfe wie Wohnen, Ernährung und Verkehr. Fällt in einem Zwei-Verdiener-Haushalt ein Einkommen weg und reduziert der verwitwete Elternteil zusätzlich seine Arbeitszeit um 30 Prozent, entsteht eine monatliche Lücke von fast 1.000 Euro.
Besonders niedrige Einkommen betroffen
Die Studie zeigt deutliche Unterschiede nach Einkommen:
- Unterhalb von 3.250 Euro Haushaltsnettoeinkommen: Nur 3 bis 10 Prozent haben eine Risikolebensversicherung
- Über 7.500 Euro netto: 46 Prozent sind abgesichert
- Etwa die Hälfte aller Haushalte fällt in die unteren Einkommensklassen
Auch nach Haushaltstyp zeigen sich Lücken:
- Paare mit minderjährigen Kindern: rund 45 Prozent
- Alleinerziehende: etwa 19 Prozent
- Alleinlebende: nur 7,7 Prozent
In Stadtstaaten ist der Anteil der Haushalte mit Risikolebensversicherung deutlich geringer als in Flächenländern — teils nur halb so hoch.
Versicherungssummen reichen häufig nicht aus
Selbst dort, wo eine Risikolebensversicherung besteht, ist die Absicherung häufig zu niedrig. Als Faustregel gilt, dass die Versicherungssumme etwa drei bis fünf Bruttojahresgehälter zuzüglich offener Kredite umfassen sollte.
Im Jahr 2024 lag die durchschnittliche Versicherungssumme pro Vertrag bei rund 121.000 Euro. Das durchschnittliche Bruttojahresgehalt betrug dagegen rund 50.000 Euro — was ohne Kredite eine empfohlene Mindestabsicherung von 150.000 Euro ergibt. Die durchschnittlichen Versicherungssummen liegen seit 25 Jahren durchgängig unter diesem Orientierungswert.
Früh vorsorgen spart Beiträge
Der Zeitpunkt des Vertragsabschlusses hat erheblichen Einfluss auf die Kosten:
- Ab einem Abschlussalter von etwa 35 Jahren sind die Beiträge ungefähr doppelt so hoch wie mit 25 Jahren
- Nach dem 40. Lebensjahr steigen sie besonders stark an
- Raucherinnen und Raucher zahlen je nach Alter teilweise mehr als doppelt so hohe Beiträge wie Nichtrauchende
Gerade zwischen dem 25. und 35. Lebensjahr werden jedoch häufig Familien gegründet oder Immobilien finanziert — genau dann, wenn der Absicherungsbedarf am höchsten ist.
Fazit
Die Studie macht deutlich: Eine Risikolebensversicherung ist dort besonders wichtig, wo Menschen finanziell voneinander abhängig sind — in Familien mit Kindern, bei Allein- oder Hauptverdienenden oder bei laufenden Immobilienfinanzierungen. Wer seine Hinterbliebenen absichern möchte, sollte frühzeitig handeln, optimalerweise vor dem 35. Lebensjahr.
Quellen: GDV (Studie vom 14.07.2026), asscompact.de, procontra-online.de, pfefferminzia.de
